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Bild 3.1
Im Bild 3.1 sind
drei verschiedene Funktionen dritten Grades auszugsweise gezeichnet.
Wie
könnte man diese Bilder so in eine Tonfolge umsetzen, dass der
Schaubildverlauf aus der Musik erkennbar ist? Eine Idee besteht darin,
die Klavierrollennotation (siehe 1)
anzuwenden, also die x-Achse als Zeitachse und die y-Achse als
Tonhöhenachse zu deuten. Die dazu nötigen Umrechnungen wollen wir hier
entwickeln.
3.1
Eine
Parabelmelodie
Im Bild 3.2 ist eine kubische Parabel
auszugsweise gezeichnet, diesem Bild soll eine Melodie zugeordnet
werden
durch Deutung als Klavierrollennotation..

Bei der (waagrechten) Zeitachse deuten wir die ganzzahligen Intervalle der Länge 1 als Takte, unterteilen diese in Viertel, unsere Melodie erhält also das Taktmaß 4/4, als Auflösung wird 1 gewählt. Wir bestimmen in 0.25-er-Schritten die Tonhöhen. Als solche nehmen wir die ein- und zweigestrichene Oktave, d. h. 0 wird c‘ zugeordnet, 1 cis‘ ..... und 24 der Ton c‘‘‘. Bei den Funktionswerten schneiden wir die Nachkommastellen einfach ab, diesen T-Werten sind dann wie angegeben Tonhöhen zugeordnet. Wir könnten auch direkt die MIDI-Werte ausrechnen (Mid(f(x) = [f(x)] + 60, c‘ hat die MIDI-Nummer 60, [ ] schneidet bei positiven Weten die Nachkommastellen ab), für das Bild sind aber unsere T-Werte geschickter.
Die Tonhöhen behalten wir jeweils für das folgende Viertel als Tonhöhe bei. Bei aufeinander folgenden gleichen Tonhöhen innerhalb eines Taktes fassen wir deren Dauern zusammen.
Wir starten bei x = –12, der erste T-Wert ist 0 (-1 wenn man genauer hinschaut und nicht rundet), bei –11.75 gilt noch die 0, bei –11.5 möglicherweise schon die 1 (Ablesegenauigkeit), bei –11.25 gilt noch die 1, aber wir sind schon nahe bei 2 (Runden?). Um bei dieser Bestimmung von Tonhöhen frei von Ableseunsicherheiten zu sein, verschaffen wir uns eine Tabelle mit DERIVE (floor(f(x)) für [f(x)]) .
Die x-Werte rechnen wir durch Addition der 12 in Zeitwerte von 0 bis 24 (t(x):= x+12) um. Aufgrund der zuvor beschriebenen Tonhöhenzuordnung ist so unsere Parabelmelodie bereits festgelegt (genauer: deren Tonhöhen und Dauern).
Im Bild 3.3 erkennen wir das zur musikalischen Umsetzung (Tonhöhenbestimmung) benutzte Schaubild der Funktion T mit der t-Achse als erster Achse.

Bild 3.3: Tonhöhen-Zeit-Diagramm zur Funktion f
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T1 |
T2 |
T3 |
T4 |
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-1 0 1 1 |
2 2 3 3 |
4 4 4 5 |
5 5 5 5 |
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T5 |
T6 |
T7 |
T8 |
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5 6 6 6 |
6 6 6 5 |
5 5 5 5 |
5 5 5 4 |
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T9 |
T10 |
T11 |
T12 |
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4 4 4 3 |
3 3 3 3 |
2 2 2 2 |
1 1 1 1 |
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T13 |
T14 |
T15 |
T16 |
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1 1 0 0 |
0 0 0 0 |
0 0 0 0 |
0 0 1 1 |
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T17 |
T18 |
T19 |
T20 |
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1 1 2 2 |
2 3 3 4 |
4 5 6 6 |
7 8 9 10 |
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T21 |
T22 |
T23 |
T24 |
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11 12 13 14 |
15 16 18 19 |
21 22 24 26 |
27 29 31 33 ( 36) |
Das Ergebnis unserer Bemühungen können wir auch im Notenbild festhalten. Am Ende (Takt 25) haben wir noch einen C-Dur Akkord als erkennbaren Abschluss eingebaut

Bild 3.5 Notenbild der Parabelmelodie
(Hören: plotfu1,plotfu2schneller)
Interessanter als dieses konventionelle Notenbild ist die Darstellung des Werkes im Piano-Roll-Editor, weil darin eine unmittelbare Umsetzung des Schaubildes in Musik erkennbar wird (vgl. Bild 3.6 mit Bild 3.3). Damit das gesamte Schaubild sichtbar wird, wurden alle Tondauern halbiert, je zwei Takte also zu einem zusammengefasst. Durch Tempohalbierung erhält man genau das gleiche Musikstück.
Bild 3.3 entsteht durch Vergröberung aus dem
ursprünglichen Bild 3.2, in der Klavierrollennotation wird nochmals
vergröbert. Im Unterschied zu Bild 3.3 ist die Breite aller Balken ein
ganzzahliges Vielfaches von 0.25 bzw. 0.125 nach der angegebenen
Umrechnung. Veränderungen innerhalb dieser kleinsten Einheit werden
nicht berücksichtigt, dadurch werden in der Klavierrollennotation (am
rechten Rand) Tonhöhen teilweise ausgelassen, die im feineren Bild 3.3
als Funktionswerte auftreten.

Die Balkenlänge in der Waagrechten repräsentiert die Dauer,
durch die Klaviertastatur werden die Tonhöhen in der Senkrechten
erkennbar.
3.2 Einsatz
von
Controll-Editoren
Statt der Tonhöhen könnte man auch andere MIDI-Parameter zur musikalischen Beschreibung des Schaubildverlaufs verwenden. Bei konstanter Tonhöhe lassen sich z. B. die Schwankungen der Funktionswerte in Lautstärkeänderungen oder in Intensitätsänderungen der Abstrahlung durch den linken oder rechten Lautsprecher übersetzen.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, die
MIDI-Parameter als zusätzliches Mittel zur musikalischen Repräsentation
des Funktionsverlaufs einzusetzen, vgl. Bilder 3.7 und 3.8

(Die quadratische Funktion wurde qualitativ direkt grafisch
eingetragen)

Das Funktionenhören ist bei den Tools des
Programms „Mathematik Experimental“ von R. SCHÄFER (Hompage: tafelbilder.de)teilweise
eingebaut. Dort kann man z. B. auch die erste oder zweite Ableitung
abspielen und daraus Rückschlüsse auf die Funktion ziehen. Dieses Programm stellt auch Kurven mittels Tonpaaren
akustisch dar, dazu werden in der Parameterdarstellung in Abhängigkeit
von der Zeit den x- und y-Werten Tonhöhen unterschiedlicher Instrumente
zugeordnet.
Vielleicht hören Sie zukünftig bei
Funktionsbildern in Ihrem Innern eine Melodie dazu? Die hier
angegebenen
graphischen Verfahren bilden jedenfalls eine Grundlage zur Umsetzung
von
Bildpartituren in Musik.
In den folgenden Dateien wird bei unserer Funktionenmelodie ein wenig
mit den Controllern wie zuvor beschrieben gespielt:
3.3
Mathematische
Ergänzungen
In diesem Abschnitt stellen wir für mathematisch Interessierte und Anregung für eigene Versuch einige Hinweise zum musikalischen Funktionsplotter zusammen für den Fall, dass die Umrechnungen etwas mühsamer als im Beispiel 3.1 sind.
3.3.1
Einteilungen
der Zeitachse (x-Achse)
Für das in Klänge umzusetzende Bild einer
Funktion setzen wir voraus, dass als Definitionsbereich ein
abgeschlossenes Intervall [a,b] vorliege bzw. ausgewählt wurde. Demnach
soll a = xmin (b = xmax) der kleinste (größte) x-Wert sein, der bei den
Koordinaten des Bildes auftritt. Durch die Transformation
t:= x – xmin
rechnen wir die x-Werte auf mit dem Wert Null
startende Zeitwerte um.
Am einfachsten wird es, wenn xmin und xmax
ganzzahlig gewählt werden und Intervalle der Länge 1 mit ganzzahligen
Rändern als Takte interpretiert werden. Nach der Umrechnung in
Zeitwerte
muss man allerdings beachten, dass in der Musik der erste Takt
(Taktangabe 1) mit dem Zeitpunkt Null beginnt, auf unserer Zeitachse
mit
der 1 dagegen das Ende des ersten Taktes (und der Beginn des zweiten
Taktes) markiert wird.
Natürlich
kann man die Festlegungen allgemeiner treffen: Soll das Intervall [a,b]
in n Takte unterteilt werden, so ist deren Länge L = (b-a)/n. Für die
Umrechnung der x-Werte in Zeitwerte t(x) gilt dann
.

Bild 3.9: Umrechnung der x-Werte in Zeitwerte
Weiter müssen wir festlegen, wie fein wir die einzelnen Takte unterteilen. Sinnvolle Werte wären Viertel-, Achtel- oder möglicherweise auch Sechszehntelschritte, entsprechend der kleinsten vorgesehenen Tondauer unter Berücksichtigung der in der klassischen Musiknotation üblichen Werte.
Man kann auch von kleinsten Einheiten („Ticks“) ausgehen und durch die Vorgabe einer Anzahl k von Ticks festlegen, wie fein die dem Taktmaß zugrunde liegende Einheit (z. B. 1/4 beim 3/4– oder 4/4–Takt) unterteilt werden soll. Will man z. B. Achtelnoten und auch Triolen von Achtelnoten im Vierteltakt haben, so müsste man der Viertelnote 6 Ticks (oder Vielfache der 6) zuordnen. Diese Methode erlaubt auch ungewöhnliche Einteilungen (z. B. 17 Ticks für ein Viertel), mittels elektronischer Realisierung kann man dadurch Dauern nutzen, die ein Musiker kaum exakt treffen würde.
3.3.2
Bestimmung
der Tonhöhen
Wir nehmen an, dass die zum Tönen zu
bringende Funktion im Definitionsintervall [a,b] Werte aus dem
abgeschlossenen Intervall [u,v] annimmt. Dabei müssen zwar die
Randwerte
nicht unbedingt angenommen werden, aber es ist für das weitere Vorgehen
sinnvoll, ein Intervall so vorzugeben, dass u und v möglichst nahe an
Funktionswerten liegen. Weil wir von einem abgeschlossenen Intervall
als
Definitionsbereich ausgehen, besitzt die Funktion meist einen kleinsten
(größten) Funktionswert fmin (fmax) im Bereich des reellen Intervalls
[a,b]. In diesem Fall – und nur den wollen wir weiter verfolgen – kann
man u = fmin und v = fmax setzen.
Weil aufgrund
der endlichen Unterteilung der Zeitachse (Diskretisierung) nur endlich
viele Funktionswerte betrachtet werden, gibt es unter diesen in jedem
Fall einen größten und einen kleinsten. Es kann allerdings sinnvoll
sein, u kleiner als fmin zu wählen (oder v größer als fmax), wenn zum
Beispiel die Funktion asymptotisch gegen einen Wert strebt (Beispiel:
1/x®0 für x®¥, man wird im Falle [a,b] = [1,100]
vielleicht [u,v] = [0,1] wählen, auch wenn fmin = 1/100).
Zur Umrechnung der
Funktionswerte in Tonhöhen gibt es verschiedene Wege:
(1) Will man die Tonhöhen als ganze Zahlen zwischen 0 und einer geeigneten Obergrenze (z. B. 24) beschreiben, so sorgt man zunächst durch den Übergang zu
(2)
y(x):= f(x) – fmin
dafür, dass alle Werte nicht negativ sind und Null der kleinste vorkommende Wert ist. Ist ymax der größte Wert dieser Funktion im betrachteten Bereich, also ymax = fmax – fmin, so liefert
H(x) := y(x)×24/ymax bzw. Hk(x) := y(x)×k/ymax
Werte zwischen 0 und 24 (bzw. zwischen 0 und
k).
Die so gefundenen Ergebnisse sind noch auf
ganzzahlige Werte zu runden. Man kann z. B. zu Beginn
jedes Zeitintervalls (also bei 0, 0.25, 0.5, 0.75, 1, 1.25, ….. bei
Unterteilung der Zeitachse in Viertelnoten) den Wert von H bestimmen,
durch Runden oder Abschneiden der Nachkommastellen erhält man
ganzzahlige Tonhöhen aus dem gewählten Bereich, die übernimmt man bis
zum nächsten markierten Punkt der Zeitachse, dort wird wieder der Wert
von H bestimmt usw. Bei gleicher Tonhöhe kann man die Dauern von
Nachbarintervallen zu größeren Dauern zusammenfassen.
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Bei den
Zeitpunkten 0 und 0.25 liest man die ganzzahligen Werte 0 (entsprechend
c’) ab, bei 0.5, 0.75, 1.0, 1.25, 1.5 ergibt sich 1 (cis’) als
ganzzahliger Anteil, die Viertelnoten wurden teilweise zu halben Noten
zusammengefasst. Zu 1.75, 2.0, 2.25 gehören die Werte 2 (d). Die
Funktionswerte wurden in diesem Beispiel auf die nächste ganze Zahl
gerundet. |
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Bild 3.10: Beispiel zum Umwandeln der y-Werte in Tonhöhen
Im Bild 3.10 ist die Zeitachse in Viertel unterteilt. Durch Ablesen der Funktionswerte an den Stellen 0, 0.25, 0.5,…und deren Rundung auf ganze Zahlen (die Rundungsfunktion ist in das Bild ebenfalls eingezeichnet) findet man den in der Tabelle angegebenen Anfang einer Plotmelodie.
(2) Die Tonhöhen kann man auch durch Frequenzen festlegen. Weil es hierbei auch auf die Hörbarkeit ankommt (untere Hörgrenze bei etwa 16 Hz, obere Hörgrenze altersabhängig), muss man die Funktionswerte geeignet in ein hörbare Intervall umrechnen. Ist Fmax die größte, Fmin die kleinste angestrebte Frequenz, so liefert
F(x):= (Fmax – Fmin)/(fmax – fmin) × (f(x) – fmin) + Fmin
eine lineare Umrechnung der Funktionswerte in das Frequenzintervall [Fmin; Fmax].
Nehmen wir etwa die Töne aus den beiden
Oktaven zwischen c’ und c’’’ als angestrebte Tonhöhen. Bei dieser Skala
entspricht bei der ersten Variante einem bestimmten Zuwachs der
Funktionswerte stets der gleiche Zuwachs der Tonhöhe.
Würde man den entsprechenden Frequenzbereich zwischen Fmin = 264 Hz (entsprechend c’) und Fmax=1056 Hz (entsprechend c’’’) als Tonhöhenvorgaben ansteuern und auf diesen die angegebene Formel für F(x) anwenden, so erhielt man zunächst die Möglichkeit, viele neue Töne zum Einsatz zu bringen. Diese könnte man zwar nicht auf dem Klavier, aber elektronisch realisieren. Das Ergebnis würde aber nicht nur wegen der neuen Zwischentöne unseren Hörgewohnheiten widersprechen. Wenn z. B. dem y-Wert 0 die Frequenz 264 Hz zugeordnet ist, dem Wert 10 der angestrebte höchste Ton mit 1058 Hz, so entspräche der 5 (dem halben Wert von 10) nicht der erwartete Ton c’’ (512 Hz), sondern ein Ton mit 660 Hz (arithmetisches Mittel von 512 und 1058).
Zur Anpassung der verfeinerten Skala an die Einteilung gemäß (1) müssen wir demnach eine Funktion suchen, die für das Minimum von f den Wert Fmin, für das Maximum den Wert Fmax, bei den Zwischenwerten sich aber multiplikativ verhält wie die temperierte Stimmung. Dies leistet der Ansatz
H(x):= qf(x)-fmin×Fmin
mit H(xmax)
= Fmax.
Durch Einsetzen von f(xmax) = fmax erhält man eine Gleichung zur Berechnung von q:
.
Dabei ist es unerheblich, welche Basis bei
der Logarithmusfunktion verwendet wird.
Im Beispiel ymin = 0 und ymax = 10 (ymax =
24) ergibt sich für den angegebenen Frequenzbereich

Die Umrechnungsfunktionen H(x) = qx×264 sind im Bild 3.11 dargestellt.

Bild 3.11: Umrechnung von Funktionswerten in Frequenzen
Bei unsern
Umrechnungen wurde dem Ton c’ die Frequenz 264 zugeordnet. Für
Kammerton
a’ ergibt sich dadurch eine Frequenz von rund 443 Hz. Um die Norm 440
Hz
zu erhalten müsste man bei temperierter Stimmung (vgl. Teil 2) für c’ die Frequenz 261.63 Hz vorgeben,
bei reiner Stimmung gelten dagegen 264 Hz für c’ und 440 Hz für a’.
Das hier
angewandte Verfahren findet sich mit verfeinerter Einteilung in der Cent-Rechnung für
Tonhöhen. Bei ihr wird eine Oktave in 1200 Cents eingeteilt, ein
Halbton
in der wohltemperierten Stimmung besteht dann aus 100 Cents. Setzen wir
,
so ist F(x) =
ax die Umrechnung von absoluten Centwerten x in Frequenzen.